von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 7. FEBRUAR 2010.
„Die Standesbeamtin“ (Regie: Micha Lewinsky) gehört zu den vielen (belanglosen) Romantikkomödien, die in diesen Tagen zu Hauf im Kino zu bewundern sind. Auf den ersten Blick ist an diesem Film nicht bemerkenswert. Auf den zweiten scheint er sich dennoch von all denjenigen abzuheben, die immer wieder versuchen, das exemplarische Glück schlechthin zu verkaufen. Als einst in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten die Komödie das Licht der Welt erblickte, wollte das Publikum unterhalten und abgelenkt werden. Man bevorzugte die heitere und leichte Kinokost. In Amerika entstand sie in Zeiten der großen Depression, in Deutschland, in Zeiten des Hitlerfaschismus, war sie besonders angesagt (vgl. etwa „Du bist mein Glück“, Regie: Karl Heinz Martin, 1936). Alles drehte sich wieder und wieder um die Liebe und um das Glück.
Die immer gleiche Story umwebt auch „Die Standesbeamtin“. Die Produktion aus der Schweiz, die am Ende mit dem Glück eines Liebespaares aufwarten kann, kann sich dennoch gekonnt durch die sprachlichen Eskapaden vom herkömmlichen Einerlei abheben. Die Produktion wird in Schwyzerdütsch (mit Untertitel) vorgetragen, was außerordentlich belustigend ist.
Marie Leuenberger (als Rahel Hübli) spielt gut und mit viele Engagement in der Rolle der Standesbeamtin. Mit ihrer verquerten Sprache sorgt sie für den einen und den anderen Lacher. Bevor die Romanze beginnt, erlaubt sie sich, dem Zuschauer einen Einblick in ihr Seelenleben zu geben. Täglich muss sie Paare standesamtlich verheiraten, doch sie selbst ist unglücklich und findet keinen geeigneten Partner. Auf eine sehr belustigende Art versucht sie eines Tages, einem Paar die Heirat auszureden, was fast schon zu einer kleinen Katastrophe führt.
Rahel Hübli ist ungeduldig, fast schon verzweifelt. Sie treibt ihren Sohn zum Frühstück an, ärgert sich über ihren Mann, den sie später mit einer anderen Frau erwischt und sie ist voller Aggressionen. Das ändert sich schlagartig, als sie ihren Jugendfreund Ben (Dominique Jann) wiedertrifft mit dem sie früher gemeinsam Musik gemacht hat, und der ausgerechnet in ihrem Standesamt nun eine Schauspielerin heiraten will. Sie frischen alte Erinnerungen auf, sehen sich öfter und finden letztlich zueinander. Der Streifen lebt von den beiden exzellent spielenden Hauptdarstellern, die ohne abzuheben zeigen, worauf es bei Komödien ankommt: Auf Bodenständigkeit und Ausstrahlung.